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Insight Tech 2026: AI-Reporting wird Standard – doch die zentrale Frage heißt Qualität

AI schreibt inzwischen Reports.
Dashboards liefern automatisch Highlights.
Und viele Teams fragen sich: Warum fühlt es sich trotzdem nicht leichter an?

Stefan Ruthenberg
Managing Director

Aktualisiert
11. January 2026

Vorsicht vor reinem Tool-Fokus

Die Insights-Branche bewegt sich mit beeindruckender Geschwindigkeit Richtung Automatisierung – aber 2026 zeichnet sich als das Jahr ab, in dem sich ein entscheidender Schwerpunkt verschiebt: Weg vom Tool-Fokus, hin zur Qualitätsfrage.

Denn wenn AI überall ist, wird nicht mehr gefragt: „Können wir damit arbeiten?“
Sondern: „Wie stellen wir sicher, dass das Ergebnis stimmt?“

Ein Blick in den aktuellen Report „Market Research Trends 2026“ von Rival Group zeigt: Die Branche ist bereit für AI – und gleichzeitig mitten in einem Reifeprozess.
90% der Marktforschenden sind begeistert von AI-assisted Reporting, und über 46% erwarten steigende Budgets für AI-Tools.

Klingt nach Aufbruch. Und ist es auch.

Aber wie jeder Aufbruch bringt er eine neue Verantwortung mit.

AI-Reporting - das neue Normal?

Diese Frage ist praktisch erledigt. AI hilft heute bereits bei:

  • Transkription & Zusammenfassung von Interviews
  • Clusterbildung qualitativer Themen
  • Pattern Recognition in großen Datenmengen
  • Drafting von Berichten und Management-Summaries

Das spart Zeit. Und manchmal auch Nerven.

Rival beschreibt dabei sehr deutlich: AI wird nicht nur als Automatisierungsmaschine verstanden, sondern zunehmend auch als Strategie-Partner, der Teams hilft, schneller Hypothesen zu testen und mehr Perspektiven einzubinden. [Rival: Market Research Trends 2026]

Doch hier beginnt der interessante Teil:

Je mehr AI Reports schreibt, desto mehr wird Qualität zum Kernprodukt.

Herausforderung

Insights-Teams stehen damit vor einer neuen Art von Qualitätsprüfung, die sich nicht nur um Stichproben oder Signifikanz dreht, sondern auch um:

  • Bias und Halluzinationen
  • Datenherkunft und Transparenz
  • Interpretationslogik
  • Reproduzierbarkeit
  • Kontextverlust durch zu starke Verdichtung

Plausible Antworten ohne echte Evidenz

AI ist brilliant darin, plausible Sätze zu produzieren. Und genau das ist die Falle.

Denn im Management-Kontext reicht es nicht, dass ein Insight „sich gut liest“.
Er muss belastbar sein – gerade, wenn er Entscheidungen triggert.

Ein praktisches Beispiel aus dem Alltag:

  • AI erkennt ein Thema in offenen Antworten
  • AI formuliert daraus einen „Key Insight“
  • Der Insight wird in Slides übernommen
  • Maßnahmen starten

Und dann stellt sich später heraus:
Das Thema war in Wahrheit überrepräsentiert, weil die Antworten aus einem bestimmten Segment kamen – oder weil die AI das Cluster zu breit definiert hat.

Früher nannte man das schlicht: Interpretationsfehler. Heute ist es: skalierter Interpretationsfehler.

Qualitätsdimensionen im AI-Zeitalter

  • Transparenz: Kann ich erklären, wie der Insight entstanden ist?
  • Auditierbarkeit: Kann ich das Ergebnis prüfen oder reproduzieren?
  • Human-in-the-loop: Wo greift menschliche Expertise bewusst ein?
  • Bias-Checks: Welche Verzerrungen sind systemisch möglich?
  • Kontextschutz: Was darf nicht „wegautomatisiert“ werden?

Das klingt nach „Bürokratie“, ist aber in Wahrheit eine neue Form von Professionalität.
Denn Insights werden nicht weniger wichtig, nur weil sie schneller entstehen – sie werden im Gegenteil häufiger handlungsleitend. Und damit muss Qualität stabiler werden, nicht lockerer

Was Insight-Teams tun sollten

Nicht als 50-seitiges Policy-PDF, sondern als:

  • klare Regeln
  • klare Verantwortung
  • klare Prüfschritte

Jeder AI-generierte Insight sollte sichtbar machen:

  • Datenbasis
  • Modell/Tool
  • Interpretationsschritte
  • Unsicherheiten/Grenzen

AI kann hervorragend:

  • zusammenfassen
  • clustern
  • strukturieren

Aber wenn es um...

  • kausale Aussagen
  • strategische Ableitungen
  • Markenwahrheit
  • Handlungsprioritäten

.... geht, muss Human Expertise zwingend im Loop bleiben.

2026 ist nicht das Jahr, in dem Unternehmen mit den "besten AI-Tools“ gewinnen.
Es ist das Jahr, in dem diejenigen gewinnen, die AI kompetent operationalisieren.

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