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„Synthetic Respondents“- ein Game Changer?

Was, wenn du eine Zielgruppe „befragen“ könntest, ohne an das Rekrutieren zu denken?

Stefan Ruthenberg
Managing Director

Aktualisiert
14. January 2026

Was, wenn du eine Zielgruppe „befragen“ könntest, bevor du überhaupt ein Panel rekrutierst?


Genau das passiert gerade in vielen Insight-Teams: Synthetic Respondents und Synthetic Personas – also KI-gestützte, modellierte Zielgruppen – werden zunehmend als Simulationslayer genutzt. Nicht als Ersatz für echte Menschen, sondern als Turbo für Iterationen: schneller testen, besser priorisieren, weniger teure Fehlstarts.

Der Trend hat Rückenwind: Einige Researcher erwarten, dass synthetische Antworten in wenigen Jahren einen großen Teil der Datenerhebung ergänzen – teils sogar dominieren.

Was könnte da dran sein?

Was sind Synthetic Respondents eigentlich?

Stell dir Synthetic Respondents nicht als „Fake-Befragte“ vor, sondern eher wie einen Flugsimulator für Entscheidungen.

Ein synthetic respondent ist ein KI-Modell, das Antworten generiert, die sich statistisch und sprachlich ähnlich verhalten wie eine definierte Zielgruppe. Die Basis dafür sind reale Datenmuster: historische Befragungsdaten, Trackingdaten, Segmentdaten, Kaufverhalten oder andere valide Quellen.

  • Was sie sind: ein Simulationsmodell für schnelle Hypothesen-Checks
  • Was sie nicht sind: ein Ersatz für echte Exploration, kulturelle Überraschungen oder “neue Wahrheit” aus dem Feld.

Gerade Anbieter und Datenfirmen betonen: Der Wert entsteht nur, wenn Modelle sauber kalibriert und validiert werden – sonst ist es nur eine Maschine für plausible Antworten.

Warum dieser Trend jetzt Fahrt aufnimmt

Es braut sich eine typische „Perfect Storm“-Situation zusammen:

  • Research muss schneller werden. Produktteams iterieren wöchentlich, Insights hängen oft am Feld.
  • Panels werden teurer und schwieriger. Mehr Screening, mehr Fatigue, mehr Qualitätsstress.
  • KI ist im Research-Stack angekommen. Automatisierung ist nicht mehr nice-to-have, sondern Standard.

Das Ergebnis: Synthetic Research könnte attraktiv als Zwischenstufe zwischen Idee und Feld sein – ein Layer, der Entscheidungen beschleunigt, bevor man große Budgets bewegt.

 

Wo Synthetic Respondents stark sind 

Du hast 16 Ideen, 4 Tonalitäten und 2 Bildwelten?
Statt direkt ins Feld zu gehen, kannst du in Stunden eine synthetische Simulation laufen lassen:

  • Welche Claims scheinen bei Segment A am stärksten?
  • Welche Tonalität irritiert?
  • Welche Konzepte wirken austauschbar?

Das ersetzt nicht das Feld – aber es hilft dir, die besten Kandidaten auszuwählen, bevor du echte Befragte „verbrätst“.

Trainingsaufwand ist der Preis für Geschwindigkeit

Ziel: Ein erster Prototyp, der grob plausibel antwortet. Dafür nutzt man:

  • historische methodische Twin-Studien
  • U&A- oder Segmentdaten
  • Panels, Tracking, CX-Daten
  • vorhandene Personas + Verhaltensdaten

Ergebnis: „Es könnte funktionieren“-Proof of Concept.

Hier muss das Modell:

  • regionale Sprache & Codes abbilden
  • Marke/Kategorie-Spezifika verstehen
  • Antwortmuster realistisch darstellen (inkl. Varianz, nicht nur glatte Mittelwerte)

Ergebnis: Synthetic Respondents, die sich wie eine echte Zielgruppe verhalten.

Der Punkt, an dem sich entscheidet, ob es „Insight Tech“ ist oder „Fancy Nonsense“.

Typisch sind Tests wie:

  • real vs. synthetisch (Holdout-Designs)
  • Vergleich der Verteilungen, nicht nur der Means
  • Segmentstabilität, Bias-Check

Genau diese Validierung wird in Industry-Beiträgen als Pflichtteil beschrieben, weil synthetische Daten sonst „zu sauber“ oder „zu glatt“ werden können.

So wird Synthetic Research ein Vorteil (oder ein Risiko)

Fazit: Synthetic Respondents verändern nicht den Zweck von Research – sondern könnten die Taktung verändern.

Der große Shift ist nicht: „KI ersetzt Menschen.“
Der Shift wäre: Research bekommt eine Simulationsebene, die Teams schneller lernen lässt.

Das Versprechen: Wer Synthetic Respondents als Itera­tions­maschine versteht – mit klaren Leitplanken, Validierung und Hybrid-Design – gewinnt Geschwindigkeit, ohne die Realität zu verlieren.
Und genau das macht den Trend so spannend: Er ist kein Hype. Er ist ein neues Stück Infrastruktur im Insight Tech Stack.

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