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Von Dashboards zu Experience Agents

Qualtrics hat dieses Thema 2025 massiv vorangetrieben: Mit den Experience Agents und dem Hinweis, dass mehr als ein Drittel der Qualtrics-Kunden bereits auf AI-Funktionen im XM-System upgegradet hat. 

Stefan Ruthenberg
Managing Director

Aktualisiert
11. January 2026

Agentic AI

Die Signale sind eindeutig: Agentic AI ist nicht mehr nur ein „Buzzword“, sondern eine neue Produktlogik.

Und genau deshalb lohnt sich ein genauer Blick – auch kritisch.

Was sind „Agents“ im Kontext von CX & Insights?

Ein klassisches CX-/Insight-Setup funktioniert wie ein Kontrollzentrum:

  • Daten rein (Surveys, Reviews, Calls, CRM, Social)
  • Analyse & Dashboard raus
  • Und dann: Menschen entscheiden & handeln.

Agentic AI dreht dieses Modell um:
Der „Agent“ wird zum aktiven Akteur im System.

Experience Agents – wie Qualtrics sie beschreibt – sind AI-gestützte, autonome Einheiten, die direkt mit Kunden oder Mitarbeitenden interagieren können, um Erfahrungen zu verbessern.

In einfachen Worten:  Das System bleibt nicht beim Insight stehen – es greift ein.

Welche Tasks werden autonom?

Der Sprung von „Analytics“ zu „Agents“ entsteht vor allem durch drei autonome Aufgabenbereiche:

1) Themen erkennen & clustern

Agents bündeln offene Antworten automatisch, erkennen Muster und priorisieren Themen – schneller als jedes Insight-Team es könnte.

2) Alerts & Frühwarnsysteme

Statt monatlichem Reporting entstehen Realtime Signale:

  • steigende Frustration im Checkout
  • neue Treiber für Abwanderung
  • Service-Probleme in einer Region

Qualtrics skizziert hier Szenarien, in denen Agenten Verhaltenssignale wie „digital frustration“ erkennen und proaktiv reagieren.

3) Action Recommendations & sogar Actions

Das ist der eigentliche Gamechanger:
Der Agent schlägt nicht nur vor („Customer unhappy, please respond“), sondern antwortet im richtigen Ton, bietet Kompensation, stellt Rückfragen – und triggert ggf. Workflows.

Damit wird ein Feedback-Kanal plötzlich zum Service-Kanal.

Warum das spannend ist (und warum es gefährlich werden kann)

Agentic AI löst ein echtes Problem:
Insight Teams sitzen oft zwischen Daten und Handlung – die Umsetzung hängt in der Organisation fest. Agents versprechen:

  • kürzere Feedback-Loops
  • weniger Zeitverlust
  • höhere Reaktionsgeschwindigkeit
  • skalierbare Personalisierung

Aber genau hier beginnt auch die kritische Zone.

Warum wurde genau diese Aktion ausgelöst? Und warum nicht eine andere?

Das Problem: Viele Agent-Systeme geben Entscheidungen nicht wirklich „auditierbar“ aus. Man sieht, dass etwas passiert – aber nicht sauber, warum, basierend auf welchen Signalen, und mit welcher Unsicherheit.

In CX ist das brandgefährlich:
Ein falsch getriggertes Incentive, eine unpassende Entschuldigung oder eine eskalierende Kommunikation kann mehr Schaden als Nutzen erzeugen.

Agentic AI ist stark darin, Signale zu erkennen – aber nicht automatisch darin, Relevanz im Business-Kontext zu verstehen.

Typisches Muster:

  • Der Agent reagiert auf viele Beschwerden (laute Minderheit)
  • aber übersieht stille Kündiger (Abwanderung ohne Feedback)
  • oder priorisiert Themen, die „emotional“ wirken, statt geschäftskritisch zu sein.

Das ist nicht die Schuld der AI – das ist ein Designproblem:
Ohne klare Ziele, Gewichtungen und Leitplanken optimiert der Agent für das Falsche.

Früher musste ein Mensch handeln. Fehler waren begrenzt.

Heute:
Ein Agent kann falsch handeln – und zwar tausendfach, sofort, automatisch.

  • Was als Effizienz beginnt, kann in der Fläche plötzlich zur Governance-Frage werden:
    • Wer haftet für falsche Kommunikation?
    • Wer kontrolliert Tonalität?
    • Wer überprüft, ob Maßnahmen diskriminieren oder Gruppen benachteiligen?

Die Transformation ist real – aber sie macht CX nicht nur schneller.
Sie macht es risikoreicher, wenn man sie nicht sauber kontrolliert.

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